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~ Altnordische & Klassische Gedichte & Volkslieder~

Von einem anonymen Dichter gegen Ende des ersten Jahrtausends in alliterativem Versmaß
in Angelsächsisch geschrieben, ist Beowulf eins der nordischen Epen.
Der Krieger Beowulf siegt als junger Held über Grendel und dessen Mutter.
In späteren Jahren unterliegt bei der Verteidigung seines Volkes gegen einen Drachen.

Beowulf, Kapitel 41

 

Da Schweden und Gauten      die Schwerter kreuzten

In wütendem Ringen,      war weithin sichtbar;

Und Ongentheow wich,      der alte Recke,

Voll Harm und Schmerz      in die hochgelegne

Feste zurück      mit dem Rittergefolge:

Er kannte nun Hygelacs      Heldenstärke

Des Tapfern Kampfmut      und traute sich nicht,

Dem Seevolk zu wehren      die Siegesbeute,

Den entführten Hort,      die Frauen und Kinder.

So wandte der Greis      sich den Wällen zu,

Seiner Schanzen Schutz,      doch die Schweden verfolgte

Der Hredlinge Heerbann      und Hygelacs Banner

Durchflogen das freie      Gefilde schnell,

Bis die Helden im Sturm      den Verhau erstiegen.

Hier zwang man den alten      Ongentheow,

Den grauen König,      den Klingen der Gegner

Sich zu stellen im Streit,      wo er sterben sollte

Durch Eofors Schwert:      den ersten Schlag

Erhielt er von Wulf,      Wonreds Sohne,

Daß dem Edling das Blut      aus den Adern spritzte

Unterm schneeigen Haare;      doch schreckte das nicht

Den greisen Scylfing,      der schnell vergalt

Den derben Streich      mit doppelter Münze,

Zum Feinde sich wendend      mit flinkem Ausfall;

Da konnte Wonreds      wackerer Sohn

Nicht hurtig genug      dem Hiebe begegnen:

Es durchschlug ihm den Helm      auf dem Haupte der Greis,

Daß er blutbedeckt      zu Boden stürzte;

Doch nicht war dem Tapfern      der Tod beschieden,

Er erholte sich bald,      als verharscht war die Wunde.

Doch Eofor schwang nun      sein altes Schwert,

Die breite Klinge,      den Bruder zu rächen,

Vom Schilde gedeckt,      und zerschmetterte gänzlich

Des Königs Helm,      das Kunstwerk der Riesen:

Da fiel des Volkes      fürstlicher Hüter,

Zu Tode getroffen.      Treue Gefährten

Verbanden inzwischen      des Bruders Wunde

Und führten ihn fort, -      die Feinde machten

Nicht weiter den Siegern      die Wahlstatt streitig.

Doch Eofor raubte      Ongentheows Panzer,

Das köstliche Schwert,      den zerklobenen Helm,

Und brachte dem Hygelac      des Helden Waffen.

Der nahm die Spende,      versprach dafür

Herrlichen Lohn      und hielt sein Gelübde:

Denn den Kampf vergalt      der König der Gauten,

Hredels Sohn,      als er heim gekommen,

Den edlen Brüdern      überreichlich;

Es erhielt jeder      hunderttausend

Schilling in Land      und schimmernden Ringen,

Und der Männer keiner im Mittelgarten      fand zu hoch den Preis für das Heldenwerk.

Seine Huld zu beweisen,      gab Hygelac auch

Dem Eofor zur Ehe      die einzige Tochter,

Seines Hauses Sonne. -      Haß und Feindschaft

Schwuren uns damals      die Schweden, die sicher

Die Fehde erneu'n,      wenn des Fürsten Tod

Sie erfahren, der stets,      der gefürchtete Streiter,

Schatz und Reich      vor den Rächern schützte,

Des Volkes Wohl      zu fördern wußte

Und als Held sich erwies      bis zum höchsten Alter.

Nun ist Eile geboten,      den edlen König,

Der so reichlich stets      uns Ringe gespendet,

Heimzuholen,      die Hülle des Toten

Auf dem Holzstoß zu betten.      Den Herrlichen soll

 

Nicht ein einzelnes Stück      in die Erde begleiten:

Den ganzen Schatz,      des schimmernden Goldes

Unendliche Fülle,      durchs eig'ne Blut

So teuer erkauft      von dem tapfern Herrscher,

Verzehre das Feuer,      die züngelnde Flamme!

Kein Krieger trage      der Kleinode eins

Zu des Helden Gedächtnis,      der holden Jungfrau

Schneeigem Hals      sei der Schmuck versagt,

Da mancher jetzt,      der Mittel entbehrend,

Arm und bekümmert      ins Elend hinaus muß,

Seit der Lenker des Heerbanns      das Lachen aufgab,

Die muntre Weltlust.    Am Morgen schon

Wird künftig der Krieger      den kalten Speer

Mit den Händen ergreifen,      die Harfe erweckt

Die Degen nicht mehr,      nur der dunkle Rabe,

Der spricht vieles aus      über den Todgeweihten,

Krächzt über Leichen      und kündet dem Adler

Vom erwünschten Fraß,      den der Wolf mit ihm teilte.'

So trug der Tapfre      die Trauerbotschaft

Den Lauschenden vor:      von erlog'nem war

Nicht vieles darin.    Das Gefolge erhob sich

Und alle eilten      zur Adlersklippe,

Mit weinenden Augen      das Wunder zu schauen.

Da lag auf dem Sand      der entseelte Leib

Des Recken, der früher      die Ringe verteilte:

Es hatte des Lebens      letzten Tag

Der Held erreicht,      dahingerafft

Vom Wundentode,      der Wettermark Herrscher.

Sie sahen nun auch      das seltsame Untier,

Den eklen Wurm      gegenüber dem König

Auf das Feld gestreckt:      der Feuermolch war

Versengt von der Glut,      der grimmige Drache;

Wohl fünfzig Fuß      war des furchtbaren Unholds

Volle Länge,      der früher die Lüfte

Zur Nachtzeit durchstrich      und dann nieder sich senkte

Zum Hort in der Höhle;      nun hielt ihn der Tod

In festen Banden,      erfüllt war sein Schicksal. -

Im Kreis umgaben ihn      Krüge und Becher,

Kannen und Schüsseln,      auch kostbare Schwerter,

Zernagt vom Rost,      da sie nutzlos geruht

In den Tiefen der Erde      durch tausend Winter;

Denn einst ward der Erbschatz,      der ungeheure,

Der Ahnen Gold,      in der Urzeit Tagen

Durch Zauber geschützt,      daß den Zugang keiner

Zum Ringsaal fand,      dem der reiche Gott

Die Wege nicht wies,      der Walter des Sieges,

Das geheime Verließ      des Hortes zu öffnen

Dem Recken allein,      den sein Ratschluß erkor.

 

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